Christa Maischak
Christa Maischak

Interview aufgezeichnet:

Walsrode, Deutschland
12.10.2017

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Christa wurde in den 1930er Jahren in einem kleinem Dorf in der Nähe von Breslau geboren. Sie und ihre Familie war gezwungen ihre Heimat zweimal zu verlassen. Erst wegen der Gefahr des Krieges, dann wegen der Zusprechung Breslaus an Polen nach dem Krieg. In diesem Interview erzählt sie über ihre kurze Kindheit und ihrem Neuanfang im Norden von Deutschland.

Bitte stelle dich vor und beschreibe, wie dein Heimatort war.

[Ich heiße] Christa Maischak, geboren am 5.1.1934 in Breslau, Schlesien, Niederschlesien. [Es war] ein Dorf bei Breslau, Reichwald hieß das. Ich weiß nicht mehr, wie viele Kilometer wir zu Fuß zur Schule gehen mussten, aber 6-7 Kilometer waren es bestimmt. Dann kam der Krieg und als wir draußen waren und Breslau bombardiert wurde, da haben wir immer gesagt: „Guck mal, die Christbäume fallen runter“. Die sahen aus wie Christbäume. Dann hieß es, wir müssen flüchten. Dann konnte man etwas zusammenpacken, das wurde auf einen Wagen geladen und dann ging es los. Ich weiß bloß, dass wir bis nach Sudetengau, wo jetzt Tschechien ist, gegangen sind.

Was fandet ihr vor, als ihr zu Hause angekommen seid?

Wir kamen dann wieder nach Hause, nach Reichwald. Als wir nach Hause gekommen sind, waren da schon Leute vorher da [gewesen]. Aber bei uns, da sah das aus! Da wurden die Betten hochgestellt, überall waren Sirup und Federn, alles wurde kaputt gemacht, das sah schlimm aus. Aber unter unserem Küchenschrank, da hatte meine Mutter ein paar Lederstiefel von meinem Vater versteckt und die waren noch da. Dann haben wir erstmal aufgeräumt. Da war jemand, wir nannten ihn den Russlanddeutschen oder so ähnlich. Er konnte Russisch und Polnisch sprechen. Er hat uns viel geholfen. Dann haben uns die Polen wieder rausgeschmissen.

Wo sind du und deine Familie dann hingegangen?

Dann sind wir nach Benefeld gekommen. Da war ein Lager. Alle [mussten dort] rein, ich weiß nicht, wie lange wir da gelebt haben. Dann wurden die Leute verteilt. Danach mussten wir nach Stellichte. Wir sind auf ein Gut gekommen. „Das Schloss“ nannten wir es immer. Dann haben wir da gelebt, ich weiß nicht mit wie vielen [Leuten]. Ein Arzt hat da gelebt, ein Zahnarzt war da, Familie Steiner und was weiß ich, wer da noch alles gelebt hat. Alle mussten auf eine Toilette. Du kannst dir vorstellen, wie das war. Dann hat man zu uns gesagt, es gibt nur noch einen letzten Zug nach Westenholz. Den haben wir genommen. So war das, Kind, ach, das ist alles nicht so einfach.